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Meine Recherche über Textilien, Kunst und das Buch - Worn von Sofi Thanhauser

  • 6. Juni 2024
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 16. März




Die Rückkehr zu Textilien in meiner künstlerischen Praxis

Die Rückkehr zu Textilien in meiner künstlerischen Praxis

Die Rückkehr zu Textilien in meiner künstlerischen Arbeit war kein plötzlicher Entschluss, sondern ein langsames Wiederfinden eines roten Fadens. Bereits während meiner Ausbildung zur Herrenschneiderin lernte ich die Präzision, Geduld und das handwerkliche Wissen kennen, die in jedem Kleidungsstück stecken. Diese Erfahrung bildete ein wichtiges Fundament für meine künstlerische Praxis.

Während meines Studiums an der Kunstakademie Düsseldorf und der Städelschule verschwanden textile Praktiken aus meinem Alltag. Erst Jahre später öffnete sich dieser Raum wieder – ausgelöst durch eine inspirierende Begegnung mit der Künstlerin Felicity Brown. Unsere Begegnung in Dubai und ihr Arbeiten an der Schneiderpuppe in Tashkeel inspirierten mich zutiefst. Felicitys Arbeitsweise weckte in mir eine Vielzahl von Erinnerungen und gab mir den Mut, die Nadel mit dem Pinsel auf eine Stufe zu stellen und textile Prozesse erneut in meine künstlerische Praxis einzubeziehen.

Seitdem ist meine Arbeit von einer intensiven Recherche und Auseinandersetzung mit Fasern, Stoffen und ihren kulturellen, materiellen und sozialen Dimensionen geprägt. Textilien faszinieren mich als Träger von Geschichte, Wissen und Identität. In vielen Kulturen sind textile Praktiken eng mit gemeinschaftlichem Arbeiten, der spirituellen Welt und der Weitergabe von Wissen verbunden.

Ein wegweisendes Werk für mein Verständnis der kulturellen Bedeutung von Textilien ist das Buch Worn von Sofie Thanhauser. Ihre detaillierte Darstellung der Geschichte der Kleidung zeigt, warum wir heute wenig über die Textilgeschichte und ihre Herstellungsweisen wissen – obwohl wir täglich Kleidung tragen. Besser  gesagt, wir wissen so wenig, weil Textilien und ihr Handel so bedeutend und profitabel sind.

Thanhauser beschreibt überzeugend, wie die Einführung der Gilden im 13. Jahrhundert zur Abwertung textiler Arbeit führte. Der Verlust der wirtschaftlicher Unabhängigkeit der Frauen, ihre reduzierte Sichtbarkeit in der Gesellschaft und das mangelnde Interesse der Archäologen an textilen Funden und ihre geschichtliche Einordnung waren entsprechende Folgen.

Diese Entwicklung erklärt auch, warum Textilkunst aus dem Kanon der bildenden Künste gefallen ist und warum wir heute glauben, wir bräuchten das Wissen darüber, wie eine Schleife gebunden oder ein Knopf angenäht wird, nicht mehr unseren Kindern weitergeben.

Frauen haben trotzdem nie aufgehört, zu gestalten und ihr Wissen mit anderen zu teilen. Die meiste Inspirationen finde ich bei indigenen Völkern und unabhängigen Individuen wie den Frauen von Gee's Bend oder Rosie Lee Tomkins.

Stell dir vor, du sitzt an einem Backstrap Loom: Ein einfaches Webgerät, bei dem dein Körper die Spannung der Kettfäden bestimmt. Deine Bewegungen sind unmittelbar mit dem Material verbunden, jede noch so kleine Veränderung beeinflusst den neuen Stoff. Diese direkte Verbindung zwischen Körper und Material ist eine der faszinierendsten Eigenschaften von Textilien.

Stell dir vor, du verwandelst deine Träume in Muster, wie die Mädchen, die von ihren Großmüttern das Mola-Nähen lernen. Oder du trägst einen Fransenrock, der über 20.000 Jahre lang ein Symbol für Fruchtbarkeit und Leben war.

Wenn du mehr über die Geschichte der textilen Arbeit erfahren möchtest, empfehle ich dir zwei wichtige Werke: Sofie Thanhauser: Worn und Elisabeth Wayland Barber: Women's Work – The First 20,000 Years. Beide Bücher bieten wertvolle Einblicke in die Bedeutung der textilen Kultur und regen dazu an, die textile Kunst neu zu entdecken.

 

 



 
 
 

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