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Schöne Quilts, Quilterinnen und die Quilt Nerd Show

Autorenbild: Carolin Kropff
Carolin Kropff
9. Okt.
5 Min. Lesezeit

 Hast du jemals einen Quilt von Rosie Lee Tompkins gesehen oder von den Frauen von Gee's Bend oder die Quilts, die von Yvonne Wells genäht wurden?





Die wunderbaren Quilts von Rosie Lee Tompkins

Es gibt faszinierende Kombinationen von Möglichkeiten, einen Quilt zu machen, und es besteht eine inhärente Verbindung von Quilts zu Menschen, Herstellungsweisen, Zeit und Geschichten. Meine Untersuchung der materialbasierten Art und Weise, farbige Oberflächen durch Nähen und Schneiden von Textilien zu gestalten, brachte mich zur Arbeit von Rosie Lee Tompkins.

Rosie Lee Tompkins gilt als eine der virtuosesten und erfindungsreichsten Quiltinnen ihrer Zeit, wobei sie sich vielmehr mit dem Patchworkteil beschäftigt hat. Ihre Quilts sind mit Hilfe von Quilterinnen entstanden, die sie ihre Stoffgestaltungen zum Quilten überlassen hat. Mittlerweile wird ihr Werk nicht mehr nur im Kontext des Quiltens betrachtet, sondern ist natürlich als Kunst etabliert.

Ihre Patchworkarbeiten konstruierte sie aus neuen und gebrauchten Stoffen, die von Samt, Filz und Jeans über Kunstpelz, Gesticktes bis hin zu Glitzer- und Polyesterstoffen reichen. Viele Stoffe, Bordüren, Stickereien hat sie auf Flohmärkten erworben. Neben der Vielfalt der unterschiedlichen Stoffqualitäten und Texturen, bestehen auch die Muster aus einer Vielzahl von scheinbar improvisierten Blöcken, wie dem Half Square Triangle, dem Medaillon und dem Log Cabin. Dazu kommen Applikationen, Yoyos, auf Suffolk Puffs genannt und eigene Stickereien. Alles kommt frei und scheinbar mühelos zu großartigen Oberflächen zusammen. Der Farbkontrast ist lebhaft. Gestickt werden Zahlen und Bibeltexte. Auch greift sie zeitgenössische Ereignisse auf, die oft mit dem Leben der afroamerikanischen Bevölkerung der USA verbunden sind. In ihrem Spätwerk Tompkins erweitert sie ihr Vokabular und integriert Darstellungen, wie zum Beispiel einen Textildruck auf ein Tshirt, das Jesus darstellt. Sie integriert auch die liebevollen Yo-Yos, auch Suffolk Puffs genannt. Laut Katalog des UC Berkeley Art Museum and Pacific Film Archive (BAMPFA) : UC Berkeley Art Museum and Pacific Film Archive (BAMPFA) stehen die Yo-Yos möglicherweise mit einer alten afroamerikanischen Bestattungstradition in Verbindung.


Etwas historischer Hintergrund:

Rosie Lee Tompkins war ein Pseudonym von Effie Mae Howard (1936–2006). In den 1980er Jahren entdeckte der Quiltsammler und Psychologe Eli Leon (1935–2018) ihre Quilts auf einem Flohmarkt in North Oakland und unterstützte sie fortan.

Effie war sehr religiös und glaubte fest daran, dass Gott ihre Hand bei ihrer Arbeit leitete. Sie lernte das Quilten von ihrer Mutter. Sie war Krankenschwester und Mutter von fünf Kindern, einschließlich ihrer Stiefkinder.


Mehr Bilder und Info findet ihr auf der Webseite des UC Berkeley Art Museum and Pacific Film Archive (BAMPFA), die 2021 eine Retrospekive über ihre Arbeiten gezeigt hat. https://bampfa.org/program/virtual/rosie-lee-tompkins-retrospective

Ihre wunderbaren Quilts sind auf der Webseite gut zu sehen und sind hier aus Copyright-Gründen nicht hochgeladen.


TOMPKINS-RL_portrait_clean
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Rosie Lee Tompkins, Untitled, 1968, 1982-3, 1996. Cotton, felt, wool, velvet, velveteen, found and repurposed embroidered fragments (variously decorated with chenille, wool thread, needlepoint, shisha mirrors, and other materials), crocheted doilies, silk crepe, decorative trim (with beading, sequins, faux pearls, leather, rhinestones, and other materials), hand-painted velvet, cotton thread embroidery, and printed drapery. 57 x 75 in. Photography by Eli Leon Bequest. Courtesy of the artist.


 




Zu den Quilts und ihren Autorinnen von Gee´s Bend ist schon viel geschrieben worden, und das natürlich zu Recht. Hier sind einige Links, die ich besonders gern anschaue:

Ein Portrait der New York Times: https://www.youtube.com/watch?v=YHEqYVzSs7U

About the up and down of the needle

Min 4:50 till 5:30

Sewing by hand

Min 7:15 till 7:54

Sewing and cutting on the lap

Min 9:56 till 10:56

Quilting on the lap

Min 11:09 till 11:14


 


My Way Quilts - Die Quilts der Frauen von Gee’s Bend


Die Geschichte der Quilts ist umfangreich. Sie erzählt von einer enormen kollektiven kreativen Erfindung mit minimalen Mitteln, von sozialer und ökonomischer Bedeutung, die unsere Welt bis heute prägt. Ihre Erscheinungen sind ornamental, farbenfroh, geometrisch, improvisiert, figurativ und erzählerisch.

Das Machen und die Geschichte der Quilts erzählen von uns und den Bedingungen, in denen wir leben.

Diese Quilts haben es mir einfach gemacht, mich künstlerisch mit Patchwork und Quilten auseinandersetzen zu wollen. Sie haben ein aufrichtige Einfachheit und zeugen von einem großen Sinn für ein sich einlassen auf das, was zur Verfügung steht, auch wenn die Umstände schwierig sind. Die Quilts erzählen von Gemeinschaft und Individualität, das kein Widerspruch sein muss und viele sind entstanden, singend und als Bezugspunkt zu ihrem Glauben.


Für Gee’s Bend war Quilten überlebensnotwendig. Heute gehören ihre Quilts zu den bedeutendsten künstlerischen Beiträgen der amerikanischen Kunstgeschichte. Außerdem sind sie herausragende Pionierinnen des Improv Patchwork, einer Spielart, die sehr frei mit klassischen Patchwork Blöcken verfährt. Sie nennen es selber My Way - Quilts.


Ein kurzer historischer Hintergrund:

Die Quilterinnen kommen von dem ländlichen Black Belt von Alabama mit dem Namen Gee’s Bend. Der Namen stammt von dem Sklavenhalter Joseph Gee, der dort 1816 eine Plantage mit 17 versklavten Menschen gegründet hat. Später wurde sie an Pettway verkauft, der mit seiner Familie und 100 versklavten Menschen von North Carolina dorthin zog.


Die Winter sind kalt und es war notwendig zu quilten, um sich in den ungeheizten Häusern vor der Kälte zu schützen. Die Quilts wurden aus alter Arbeitskleidung und Mehlsäcken genäht. Die Wiederverwertung alter Stoffe fand seine schöpferische Antwort im improvisierten Patchwork oder wie sie selbst sagen, in My-Way Quilts. Dabei werden Grundformen und klassische Patchwork Blogs wie Log Cabin aufgenommen und frei interpretiert einzigartig neu zusammengesetzt. Es entstehen organisch anmutende Muster mit verschiedenen Farbkombinationen. Die Weitergabe des Wissen über die My-Way Quilts ist wichtiger Bestandteil der Arbeit der Frauen von Gee’s Bend.


Als die Sklaverei nach dem Bürgerkrieg zu Ende ging, durften alle auf dem Land bleiben, mussten aber einen Teil der Ernte abgeben und waren durch einen Kreislauf permanenter Verschuldung weiterhin abhängig. Zur völligen Mittellosigkeit und dem Konfiszieren ihrer spärlichen Besitztümer kam es als die Baumwollpreise während der großen Depression verfielen und die Schuldenrückzahlung ins Stocken geriet. Mit der Resettlement Adminstration unter Roosevelt in 1935 konnten Familien in Gee’s Bend günstige Darlehen bekommen, um das inszwischen von der Regierung gekaufte Land zu erwerben und Häuser zu bauen. Es entstanden „Gee’s Bend Farms“ , eine Schule, eine medizinische Klinik, ein Gemischtwarenladen, ein Lagerhaus, eine Getreidemühle und eine Baumwollentkörnungsanlage sowie fast 100 Häuser.


In den 1960er und im Zuge der Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King Jr wurde der Fährverkehr zur Kreisstadt Camden ausgesetzt und die Gemeinde von grundlegenden Versorgungsleistungen abgeschnitten. Es war eine Reaktion auf den wachsenden Anspruch auf Bürgerrechte, wie zum Beispiel wählen zu gehen.

In dieser Zeit entstand die „Freedom Quilting Bee“ (FQB), eine Genossenschaft mit dann 150 Mitgliedern, 23 Hektar Land und einem großes Nähzentrum. Die FQB schloss Verträge mit New Yorker Innenarchitekten, Bloomingdale´s und Sears Roebuck & Co., der den Fortbestand der Bee für fast 20 Jahre sicherte. Die Bee wurde 2012 offiziell geschlossen, ein Jahr nach dem Tod seines letzten Gründungsmitglieds, Nettie Young.


Die Arbeiten von FQB wurden auch Kunstsammler und Künstler wie Diana Vreeland, Jackson Pollock und Lee Krasnerg geschätzt, die einzelne Quilts in Originalgröße als Kunstwerke erwarben.

Im Jahr 2002 fand die Ausstellung „The Quilts of Gee’s Bend“ im Museum of Fine Arts in Houston statt. Weitere Ausstellungen folgten, wie zb. im Whitney Museum, Royal Academy of Arts in London und im Louisiana Museum of Modern Art in Dänemark.


Der Fährverkehr zwischen Gee’s Bend und Camden wurde erst 2006 wieder aufgenommen.


Mehr ist zu lesen zum Beispiel hier: https://www.geesbend.org/-.



Mary_Lee_Bendolph,_Loretta_Pettway_und_Lucy_Mingo_Tom Pich, Public domain, via Wikimedia Commons-2015
Mary_Lee_Bendolph,_Loretta_Pettway_und_Lucy_Mingo_Tom Pich, Public domain, via Wikimedia Commons-2015

Pieced_Quilt,_c._1979_by_Lucy_Mingo,_Gee's_Bend,_Alabama
Pieced_Quilt,_c._1979_by_Lucy_Mingo,_Gee's_Bend,_Alabama

Wenn du mehr über alle möglichen Quilts wissen möchtest, schau dir die Aufzeichnungen von Mary Fons und der Quilt Nerd Show an! Es sind über 200 Videos zugänglich. Ihr Enthusiasmus hat mir geholfen meinem Instinkt zu trauen und viel Zeit mit der Recherche über Quilts zu verbringen.

 



Stacyimorgan, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

 

Hier habe ich auch Yvonne Wells gefunden, eine Künstlerin, die erst nach ihrer Pensionierung begann, wundervolle figurative Quilts zu nähen:

QuiltNerdShow

Min 37:30-52:50

 

Hier findest du mehr über sie und ihre Arbeit:

 und:

 

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