
Im Rahmen von:
Take care! – Festival of Solidarity and Resistance
Künstlerische Projekte, solidarische Allianzen und kritischer Austausch in Zeiten von KI und Antifeminismus
Ein Projekt des Frauenreferates Frankfurt:
Crafting Connections – Patchwork als kollektive Utopie
07/08/25 August und 02. September 2026
In drei Workshops und einem Werkstattgespräch zogen wir eine Analogie zu Patchwork und Künstlicher Intelligenz und verglichen handwerkliche Methoden der Textilkunst mit algorithmischen Strukturen. Beide Systeme teilen Musterbildung und Syntax, doch anders als bei der KI, basiert die textile Handarbeit auf einer menschlichen Dimension.
In Crafting Connections wurde die Textilkunst als Datenbank generationsübergreifenden Wissens lebendig; jedes Stoffstück, jede Naht trägt Geschichten, Erinnerungen und kulturelle Codes in sich. In einer Zeit in der Trennung von Körper und Geist fortschreitet und wir das Gefühl der Verbundenheit zu uns selbst und unseren Mitmenschen oft nicht ausreichend pflegen, feierten wir textile Handarbeit als radikale Praxis der Verbundenheit. Wir knüpften an ein altes, lebendiges Wissen an, das von Generation zu Generation weitergegeben wird und eng mit unserem Leben, unserer Gesellschaft und unserer Geschichte verbunden ist.
Take Care! – Festival of Solidarity and Resistance ist ein dezentrales Festival, das Kunst und feministische Zukunftsfragen miteinander verbindet. Im Mittelpunkt stehen temporäre, performative, kollaborative künstlerische und aktivistische Projekte, Talks und solidarische Zusammenkünfte. Take care! fragt danach, wie Künstler:innen mit den Themen KI-Dominanz, Ressourcenkrisen und gesellschaftlicher Polarisierung umgehen, welche Fragestellungen sie entwickeln und was solidarische und widerständige Strategien sein können. Das Festival findet von August bis Oktober an verschiedenen Orten in Frankfurt statt. Es versteht sich als verbindende Plattform und bezieht verschiedene vom Frauenreferat geförderte Projekte als Satelliten in das Programm mit ein.
Am Quilt genäht haben: Andrea Keppler, Sonja Müller, Leah Breuning, Paul König, Saskia Schüler, Cornelia Breuer, Hella Dipboye, Claudia Scholz, Silke Knudsen, Katalin Bodnar, Flora, Ele Janick Möller, Nico Danila, Christine Hemm, Isabella Galys, Alexander Schütz, Inge Schmittinger, Gabriela Bellon, Sabine Moreno, Katarzyna Zommer und Carolin Kropff

Ich bat die Teilnehmenden ein paar Worte über ihre mitgebrachten Stoffe zu schreiben. Hier sind ein paar Beispiele:
Paul schreibt:
Selbst gefärbte Stoffe:
Als Material nehme ich alte Bettlaken, wasche sie gründlich und beize sie mit Tannin und Alaun. Zum Färben nehme ich Material aus Frankfurt, aus meiner Nachbarschaft: Zwiebelschalen aus meiner Küche und Eicheln aus dem Park. Mit verschiedenen Batiktechniken und Nachbehandlungen lassen sich vielfältige Farbtöne erreichen, die beim Ausgangsmaterial im Verborgenen bleiben.
Futterstoff der Hochzeitsanzüge von mir und meinem Mann:
Ich habe die Anzüge selbst genäht, sie sind selbst ein Gemeinschaftswerk aus meinen handwerklichen Fertigkeiten und unserer Beziehung. In einem Anzug ist der Futterstoff das, was am nächsten am Körper ist. Mit den Stoffresten kann ich unsere Verbundenheit mit anderen teilen.
Ich bin leider zum Werkstattgespräch nicht in Frankfurt und finde das sehr schade! Ich wünsche dir und euch einen tollen Abend.
Lass uns gerne mehr in Kontakt bleiben! Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns auch einmal außerhalb vom Workshop zum gemeinsamen Arbeiten treffen können :) wie wir schon am Dienstag meinten - ich glaube, in der gemeinsamen Arbeit liegt ganz viel. Ich denke dabei immer wieder an den "Solitude Community Rhythm " vom Quilter Zack Foster: https://www.zakfoster.com/seamside/2025/10/31/welcome-to-wonder-year-5atbw-5kpdy-27p8z-xxy4d-hmkap-t5d23-3n766-wd2em-w8bmm-gdrzj-kdggd
Danke noch einmal an Dich, und auch an Andrea und Sonja , für die wunderschöne Zeit. Zum sticken der Namen bin vielleicht zu spät wieder zurück, sonst hätte ich da auch gern geholfen - aber es bleibt hoffentlich nicht das letzte Mal!
Claudia schreibt:
Ich hatte einen Rest hellolivfarbener Seide mitgebracht. Dies ist der Rest aus einem Futterstoff für ein Kleid mit einem Blockprintmuster, das mir eine Schneiderin in Frankfurt (Carin Wagner) vor bestimmt 12 Jahren genäht hat und das ich leider gar nicht mehr trage, da die Umsetzung ganz anders erfolgt ist als ich es mir vorgestellt hatte.
Diese olivfarbene Seide, das habe ich während dieses leider nur einen Abends gemerkt, an dem ich teilgenommen hatte, rückte durch die intensive Beschäftigung mit ihr auf einmal viel mehr in den Vordergrund, ihre wunderbare Textur und die großartige Farbe.
Dass es nicht mehr um Fragen subjektiver Natur (Paßform, Style etc.) ging, sondern um einen Puff (und um etwas, an dem wir alle gearbeitet haben), konnte ich etwas objektiver den Stoff betrachten. Ich hatte ihn das erste Mal selbst als Fertigende in der Hand (mit einem scheinbar einfachen Objekt, zu dem sich dennoch ein paar Varianten finden liessen), das hat mir ein bißchen die Angst genommen und die Hemmschwelle gesenkt, mich selbst an Stoffprojekten zu versuchen – ich scheitere nämlich regelmäßig an meinen eigenen Ansprüchen. Ich liebe Stoffe und habe einen kleinen Vorrat davon; mit Kleinprojekten kann ich vielleicht meiner Angst vorm Scheitern etwas ins Auge sehen.
Letztlich habe ich drei Puffs gemacht, zwei (einen sehr kleinen und einen etwas größeren) aus dieser olivfarbenen Seide.
Die Gemeinschaft war auch tröstlich und hilfreich und hat wirklich sehr viel Spaß gemacht.
Sonja schreibt:
mein Stoff war eine Bluse, die ich jahrelang total gern getragen habe. So gerne, dass irgendwann der Stoff zerissen ist. Ich habe sie dann immer noch auf dem Stapel "Arbeitsklamotten" aufbewahrt, bis sie letztendlich Teil unseres Quilts werden durfte :)
Silke schreibt:
Ich habe Herzstoff mitgebracht da ich mich von Herzen auf die Veranstaltung gefreut habe und diese Näharbeit auch ein Herzensprojekt für mich ist.
Dann hatte ich Stoff aus meiner Kindheit vom Puppenwagen meiner geliebten Puppe. Die Verbindung aus alt und neu fand ich spannend.
Und dann noch ein Stoff mit großen Eiswagen von meinen Kindern. Ihn mag ich von der Griffigkeit.
Ich hatte die Jojos in Organza Jojos gepackt in Anknüpfung an etwas ganz wertvolles, das man wie ein kleines Schätzchen aufbewahren möchte....das noch als Input für das Werkstattgrspräch an dem ich nicht dabei sein werde.
Etwas Hintergrund von meiner Seite:
Crafting Connections - Patchwork als kollektive Utopie basiert auf meiner Perspektive auf Kunst im Kontext von Take Care! – Festival of Solidarity and Resistance, auf die fortschreitenden Mechanisierung unserer Welt, KI und Transhumanismus.
In meiner Recherche zu Kunst und KI tauchten immer wieder Ideen der Cybernethiker wie Norbert Wiener und Heinz von Foerster, interessanterweise auch John Brockmans Edge.org und natürlich Peter Thiel auf. Darüber lässt sich sicher vieles auf unterschiedlichen Ebenen sagen. Die Geschichte, die sich mir zeigte, nahm stellenweise einen düsteren und bedrohlichen Ton an. Schaue ich aus der Perspektive der Künstlerin fielen mir Begriffe wie „De-Skilling“ ins Auge – ein Wort, das mir zuvor noch nie begegnet war und das, wenn ich es richtig verstehe mit John Cage zum Beispiel in Verbindung steht und mit dem ich mich als Erfahrung in meinem Studium an der Städelschule auf eine irritierende Weise vertraut gemacht hatte.
Auf der anderen Seite fand ich unter anderm ein Buch über die Hand von Frank. R. Wilson: Die Hand - Geniestreich der Evolution - Ihr Einfluss auf Gehirn, Sprache und Kultur des Menschen, in dem die Bedeutung und der positive Einfluss der Handarbeit für uns Menschen beschreiben ist und natürlich die vielen Schätze, die die textilen Künste und Handwerke für uns bereit halten.
Gehe ich einfach von meiner persönlichen Erfahrung aus, und das ist der direkteste Zugang, weiß ich, dass Handarbeit mir Ruhe und Gewissheit gibt und wenn ich sie mir zu eigen mache, fühle ich mich lebendig und kann sie für meine künstlerische Arbeit nutzen. Sie gibt mir das Gefühl mit der Welt sinnlich und geistig in Verbindung zu sein. Widme ich meine Zeit dem weiteren Lernen überlieferter handwerklicher Weisen bin ich mit allen Menschen verbunden, die vor mir da waren und sich darum gekümmert haben, ihr Wissen zu vermitteln und an die nächsten Generationen weiterzugeben; und auch zu denen, die heute zu seiner Erhaltung und Weiterentwicklung kreativ beitragen. Kann ich auf diese Fertigkeiten zugreifen, brauche ich nur wenige und einfache Werkzeuge.
Es geht mir darum, das Unsichtbare sichtbar zu machen und gerne zitiere ich Klee. Es geht mir um eine Interaktion mit unserer Natur, den Fasern, Pflanzen, Tieren und Menschen und mit denen, die von der Geschichte vergessen, übersehen oder auf andere Weise unsichtbar sind und doch an dem enormen Wissensschatz der textilen Handarbeit und des Universum ihrer Ausdrucksformen teilgenommen haben und immer noch teilnehmen.
In Crafting Connections habe ich mich für die einfache und auch besondere Form des Suffolk Puffs, auch Yo-Yo oder Fuxico genannt, entschieden, weil er direkt und unkompliziert ist. Und auch und besonders, weil er mit seiner kreisrunden und puffigen Form eine harmonische Fröhlichkeit in sich trägt, die zum entspannten miteinander einlädt. Das Machen von ihm und vieler Puffs zusammengenommen, die in einer Weise oder einer anderen angeordnet werden wollen, befriedigen das menschliche Bedürfnis kreativ zu sein, ein Bedürfnis, das Lebensfreude ausdrück, uns als lebendige Wesen zu eigen ist und uns zusammen bringt.
Auf den ersten Blick mag es sehr schrullig wirken, aber genau das macht den Reiz aus und lädt ein, auf positive Weise aus der Komfortzone herauszutreten. Und je mehr du davon nähst und darüber reflektierst, desto selbstverständlicher wird der kreative Prozess.
Ich freue mich sehr über die Gelegenheit, Teil von Take Care!- zu sein, mein Wissen mit euch zu teilen und gemeinsam mit euch etwas organisch Neues zu schaffen.
In unserer Hand
In der Welt begreifen, untersuchen, verwandeln und verbinden wir, was wir in ihr vorfinden. Wir sind verbunden.
Bleibt menschlich. Macht weiter. Gebt weiter.
Hier findest du einige Links, die für mich bei der Recherche wichtig waren:
Tenzin Wangyal Rinpoche: Spontaneous Creativity
Elisabeth Wayland Barber: Women's Work
Sofi Thanhauser: Worn - A People´s History of Clothing
Paola Gianturco & Toby Tuttle: In Her Hands - Craftswomen Are Changing The World
Adam Curtis Dokumentation: All Watched Over By Machines of Loving Grace
Adam Curtis: HyperNormalisation
Lutz Dammbeck: Das Netz: LSD, Unabomber und Internet
Johnny Vermore: Musk and Epstein - The Third Culture Dossier
John Brockman: The Third Culture
Edge.org über die Wayback Machine des Internet Archives . Epstein war ein wichtiger Sponsor der Edge Foundation.
Hans Ulrich Obrist: Das Unsichtbare Sichtbar Machen
Hans Ulrich Obrist: Ever Brockman
Experiment Marathon Serpentine 2007: John Brokman: Serpentine Gallery and Edge Project
Dario Amodei: Machines of Living Grace
Deutsche Welle: Peter Thiel, Power, Palantier and the Antichrist


Frauenreferat und FEMINIST FAIR FUTURE