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Spinnen mit der Handspindel - String Revolution

Ein Grundlagenworkshop inspiriert von Abby Franquemont und dem Spinnen von Peru

Spinnen mit der Handspindel  - String Revolution

20. 02. 2027
10 bis 14 Uhr

75,- EUR
6 Plätze

Der Workshop ist ideal für alle, die sich für nachhaltige, entschleunigte und wesentliche textile Praktiken interessieren. Du erfährst, wie bereichernd es ist, den gesamten Prozess selbst in der Hand zu haben – von der rohen Faser bis zum deinem eigenen Garn.

Die „String Revolution“ – Vom Zeitalter der Schnur
Die amerikanische Archäologin, Linguistin und Historikerin Elizabeth Wayland Barber prägte den Begriff der „String Revolution“. Mit diesem Ausdruck verweist sie auf eine oft übersehene kulturelle Zäsur: die Erfindung von Schnur, Faden und Garn – Technologien, die vermutlich von Frauen entwickelt wurden und für das Überleben der Menschheit fundamental waren.
Barber schlägt vor, prähistorische Epochen nicht ausschließlich nach Materialien wie Stein oder Bronze zu benennen, sondern auch nach textilen Innovationen. So ließe sich die späte Steinzeit ebenso als eine Art „Zeitalter der Schnur“ verstehen – eine Epoche, in der das Spinnen und Zwirnen zur Grundlage von Kleidung, Netzen, Tragevorrichtungen, Behausungen und Werkzeugen wurde.

Das Spinnen und Zwirnen entstanden bereits in der späten Altsteinzeit, vor mindestens 40.000 Jahren. Mit der Fähigkeit, Fasern zu Fäden zu verdrehen, begann eine technologische Revolution im Kleinen – oft übersehen und unterbewertet, aber von enormer Tragweite.

Bis heute wird das Spinnen nicht als professionelle Tätigkeit anerkannt und wird trotz der Bemühungen der Deutsche Spinngilde bislang nicht im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Deutsche UNESCO-Kommission eingetragen. Seine kulturelle und historische Bedeutung jedoch ist unbestritten: Ohne das Wissen um Faden, Schnur und Garn wäre menschliche Entwicklung kaum denkbar gewesen.

Die Werkzeuge, die aus dieser bedeutenden Entdeckung hervorgingen, werden noch heute verwendet: ein Stöckchen, Stab und ein Gewicht Wirtel genannt. Das Gewicht ist davon abhängig, ob feine oder gröberer Garne gesponnen werden sollen.

Im Workshop nähern wir uns dieser grundlegenden Kulturtechnik nicht nur handwerklich, sondern auch als künstlerischer Praxis: Spinnen als Verbindung von Körper, Material und Zeit – als Geste, die seit Jahrtausenden Wissen speichert und weiterträgt.

Alle Materialien sind inklusive.

In diesem Workshop lernen die Teilnehmenden etwas über die Geschichte und Bedeutung dieser alten Fertigkeit kennen und erfahren, wie sie selbst damit umgehen können. Inspiriert von Abby Franquemont und dem Spinnen in Peru beginnen wir mit dem langsamen Spinnen um den Stab, um uns mit dem Zusammenspiel von Fasern und Drehung vertraut zu machen. Wir kardieren Rolagen und konstruieren unsere eigene Spindel. Durch Experimente, praktische Übungen und meine Anleitung werden die Teilnehmenden mit der Long-Draw-Methode vertraut gemacht. Am Ende des Kurses nehmen die Teilnehmer ihre eigene Spindel, Garnbeispiele und zum Weiterüben Wollfasern mit nach Hause.

Mit diesen grundlegenden textilen Fertigkeiten können Sie jedes erdenkliche Garn selbst herstellen.

Ist das Meistern des Spinnens einfach? Nein. Der Prozess an sich ist leicht verständlich, jedoch ist die Anwendung auf die unterschiedlichen Fasern, die Wollvorbereitung, Handhabung, die Drehung der Spindel, Geschwindigkeit, die Fadenlogistik und das Zusammenspiel aller Faktoren etwas, das die Hände lernen müssen. Ich gehöre zu den fortgeschrittenen Spinnerinnen und bin noch auf dem Weg, um meisterhaft zu werden. Gern gebe ich weiter, was ich bis hierher über das Spinnen erfahren habe.

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