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In den Dingen, die wir machen, steckt ein kreatives und bedeutungsvolles Potenzial.

 

Als die Schauspielerin und Theaterregisseurin Nicoleta Danila mit ihrem Sohn Radu hochschwanger war, habe wir begonnen einen Quilt aus ihren Lieblingskrawatten ihrer Studentenzeit zu nähen. Wir haben uns viel Zeit genommen, langsam diese Krawatten nach Mustern zu zerlegen und in ein neues Muster zu überführen.

 

Nicoletta Danila hat mir geholfen, mehr über englisches Paper Piecing herauszufinden und ich habe ihr geholfen, einen Quilt für ihren Sohn Radu zu nähen. So traten wir beide ein in das heilsame Miteinander- und Füreinander-Machen, eingebettet in den großen Kosmos des Wissens und Teilen von Erfahrungen und Material, mit Nadel und Faden in den Händen.

Nicoleta:

Das Quilten war eine heilende Erfahrung. Nach einer gescheiterten Beziehung und der Nachricht einer unerwarteten Schwangerschaft war ich ziemlich erschüttert. Ein Kind verändert alles. Das Leben, wie man es kennt ist es plötzlich nicht mehr. Ich brauchte etwas, das mir half, mich mit dem Gedanken zu versöhnen, dass ich alle Pläne, die ich für mich hatte, entweder für eine Weile auf Eis legen oder ganz aufgeben musste. Als Caro also vorschlug, dass wir zusammen an einem Babyquilt arbeiten sollten, musste ich nicht lange überlegen.

Wenn man darüber nachdenkt, ist das Leben selbst ein Flickenteppich. Die Erinnerung an jeden Menschen, der uns begegnet, die Erinnerung an jeden Tag sie sind nichts als Flicken auf diesem unsichtbaren Lebenszeit-Quilt, den wir unwissentlich nähen. Wenn wir zurückblicken, was sehen wir dann? Wie ein abgenutzter Stoff verlieren einige der Erinnerungen ihre Farbe und verblassen. Gegenstände tragen Erinnerungen, Stoffe tragen Erinnerungen. Und ich möchte mich erinnern. Als Student trug ich immer Krawatten mit lustigen Motiven. Ich weiß nicht, warum ich sie mit nach Deutschland gebracht habe. Vielleicht waren sie eine Erinnerung an die besten Jahre meines Lebens? Eine Zeit der Freiheit, der Unbesorgtheit? Eine Zeit, von der ich mich jetzt verabschieden wollte.

Caro und ich haben diese Krawatten für den Babyquilt verwendet. Indem ich meinem ungeborenen Sohn einige meiner schönsten Erinnerungen schenkte, ließ ich ihn wissen, dass er willkommen ist und geliebt wird. Caro hat mich bei diesem Prozess sehr unterstützt. Sie hat mir gezeigt und beigebracht, wie es gemacht wird, aber sie hat mir auch die Freiheit gelassen, alle Vorlagen zu zeichnen und alle Entscheidungen zu treffen. In gewisser Weise gab sie mir die Werkzeuge in die Hand und versicherte mir, dass ich nichts falsch machen könne. Das Quilten mit Caro gab mir die Möglichkeit, das Leben, wie ich es kannte, loszulassen und mich auf das vorzubereiten, was kommen würde. Ich war dabei zu heilen und hatte keine Ahnung, dass ich das tat. Schöne Erinnerungen halten meinen Jungen warm. Buchstäblich.

PARADISE LOST

Beim Quilten sind es die faszinierende Kombination von Möglichkeiten die mich anzieht, dabei meine ich die kreativen und handwerklichen Möglichkeiten einen Quilt zu kreieren in Kombination von der Textilarbeit inhärenten Verbindung zu Menschen und zu ihren Geschichten, zu überlieferten Wissen, zur Zeit, zu Erinnerungen, zu Material, Quilten und Patchwork als ‚sozialer Stoff‘ und zum Tun.


 

Carolin Kropff, bildende Künstlerin, Atelier Studio Space Lange Strasse 31, Frankfurt. Malerei, Zeichnung, Druckkunst, Textilkunst, Kollaboration, Performance, Fotografie, Studio Praxis.